Wissen ist leichtes Gepäck! DRK-Hausaufgabenbetreuung in Gambach feiert zehnjährigen Geburtstag

Eine Dekade – für die beteiligten Verantwortlichen und Betreuer eine kurze Zeit, die wie im Fluge vergangen ist – für einige der jungen Gäste mehr als das halbe Leben. Das Betreuer-Team rund um Erika Huslik freute sich daher ganz besonders über den Besuch von Ehemaligen, die mittlerweile fest im Berufsleben stehen. „Schön zu sehen, wie die Kinder Fuß gefasst und einen Platz im Leben gefunden haben“, ist Erika Huslik gerührt. In der vergangenen Woche war eine ganz besonders bunte Geburtstagsgesellschaft zum Jubiläum nach Gambach gekommen: viele Kinder sowie Bürgerinnen und Bürger, Politiker, DRK-Vorstände, Sponsoren und Förderer, Familien aus der Gemeinde, Kirchenvertreter sowie Sprecher sozialer Initiativen und Vereine – alle zusammen zeigten dem Betreuungsteam der DRK Hausaufgabenbetreuung, wie sehr man die ehrenamtliche Tätigkeit zu schätzen weiß. Die lockere Geburtstagsstimmung mit unterhaltsamen Glückwunschreden hatte dennoch durchweg einen ernsten Hintergrund: Bildung für alle ist nicht selbstverständlich. Es gibt Kinder und Jugendliche mit anderem Lerntempo und speziellen Herausforderungen, die das Schulsystem im Alltag nicht auffangen kann. Daher gab es auch durchaus kritische Worte der Redner. DRK-Ehrenvorsitzender Frank Metz initiierte vor zehn Jahren die Hausaufgabenhilfe, sah den Bedarf und setzte sich mit allen Mitteln für eine solche Institution in Münzenberg ein. Als damaliger Vorsitzender des Roten Kreuzes der Stadt Münzenberg überlegte er, ob es nicht die Aufgabe der größten internationalen Hilfsorganisation sein müsse, Kindern hier direkt vor Ort zu helfen, wenn man erkennt, dass das „Recht auf Bildung“ bei ihnen zu kurz kommt.
„Wir wollten keine Konkurrenz zu den Hausaufgabenbetreuungen vor Ort an den Schulen eröffnen“, erklärte er den Gästen. „Wir arbeiten hier auch nicht zum Selbstzweck oder weil wir uns für die besseren Pädagogen halten, sondern wir wollen dann eine Ergänzung zu diesen Angeboten sein, wenn für die betroffenen Schüler und Lehrer klar erkennbar ist, dass ein Kind mehr Zuwendung und Betreuung braucht, als die Schule leisten kann. Ich lade Sie daher ein mit ihren Möglichkeiten dazu beizutragen, dass wir die Kinder dort abholen wo sie stehen und ihnen die Hilfe geben die sie ganz individuell benötigen um wirklich ein Recht auf Bildung zu bekommen, ganz gleich aus welchen Verhältnissen sie kommen.“ Das ist dem Team rund um Erika Huslik bisher recht gut gelungen. Ein Wehrmutstropfen bis heute: viele Kinder aus den umliegenden Gemeinden kommen zur Hausaufgabenbetreuung, aber selten sind es Kinder aus Münzenberg.

Schnell wurde bei dem ein oder anderen Rückblick deutlich, dass die Gründung einer solchen Hilfe und das damit verbundene soziale Engagement auch von offizieller Seite nicht immer entsprechend unterstützt wird. Münzenberger Unternehmen wie TMK Thomas Mack Kommunikation, die Spedition Kraupatz und Jörg Becker Haustechnik engagieren sich schon seit vielen Jahren für die Hausaufgabenbetreuung und Kinderhilfsprojekte. Die Initiative „Wir machen. Für ein Kinderlachen“, viele Privatpersonen wie zum Beispiel die Familie Wosinski aus Friedberg, die für die Hausaufgabenbetreuung und Kinderhilfsprojekte bereits zum zweiten Mal den Tintenfass-Spendenlauf organisiert haben, zählen zu den Förderern wie auch der Lions Club Butzbach, die Butzbacher Tafel und neben dem DRK Kreisverband auch die DRK Ortsvereine Reichelsheim und Bad Vilbel – um nur einige zu nennen. Für Metz und das Team war es ein „Schlag ins Gesicht“ als der Wetteraukreis vor einigen Jahren die finanzielle Unterstützung der Einrichtung einfach einstellte. Der Kreis gab die Empfehlung, die vom DRK Münzenberg in dieses Projekt investierten Gelder doch lieber den Schulen zur Verfügung zu stellen. Somit also Spendengelder zur Finanzierung von Staatsaufgaben zu investieren. „Nach einer Welle der Empörung waren es die Bürgerinnen und Bürger sowie die Vereine und Unternehmen der heimischen Wirtschaft, die uns ermutigt haben, weiterzumachen. Ihre Spendengelder stellen bis heute sicher, dass wir auch ohne finanzielle Unterstützung der Politik arbeiten können“, so Metz. Die neuen Verantwortlichen für den Fachbereich Jugend und Soziales, Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch und Jan Weckler, Erster Kreisbeigeordnete des Wetteraukreises verantwortlich für den Fachbereich Jugend, waren gleich beide gekommen, um zu zeigen, wie sie das Angebot in der Region gewichten und positiv bewerten. Beide Vertreter des Wetteraukreises zeigten bereits in der Vergangenheit durch die Übernahme der Schirmherrschaft des Tintenfasslaufs und Besuch der Einrichtung großes Interesse am Engagement für die Kinder in Münzenberg.

Ließ man den Blick über die jungen Geburtstagsgäste schweifen, so wurde schnell klar: die Jungen und Mädchen fühlen sich wohl, sind mit Spaß dabei und sie haben eine besondere Beziehung zur Hausaufgabenbetreuung und ihrem Betreuerteam. Dr. Isabell Tammer, Bürgermeisterin der Stadt Münzenberg, richtete ihre Worte dann auch an die jungen Menschen und Kinder im Saal. „Lernt jetzt, denn mit zunehmendem Alter fällt es immer schwerer“, berichtete sie aus eigener Erfahrung. Sie erzählte auch von einem ehemaligen Tierarzt der Gemeinde, der selbst als Flüchtling nach dem Zweiten Weltkrieg nach Münzenberg kam. „‚Wissen ist leichtes Gepäck‘, meinte er, ‚denn egal wo es einen hinverschlägt und welche Schicksalsschläge man zu ertragen hat – das Wissen und die Bildung, die man im Laufe seines Lebens erfahren hat, kann einem keiner nehmen. Darauf kann man immer bauen‘. In diesem Sinne finde ich die Arbeit der DRK Hausaufgabenbetreuung ganz besonders wertvoll und wichtig“, so Dr. Tammer.

Zu der gelungenen Geburtstagsparty trug auch das fröhliche Programm bei: Die Gruppe „Harry and the mindwaves“ mit Laura Fischer, Ela Samesreuther und Louisa Metz sowie die „Delphi Minis“ unter der Leitung von Sabine Mohr und Rebecca Metzger gestalteten musikalisch den Nachmittag. Mit der Hüpfburg, Luftballonfiguren und den Rieseseifenblasen hatten die jüngsten Gäste viel Spaß.
Die Veranstaltung und die zahlreichen Gäste zeigten das geschlossen Engagement aller Beteiligten für die Kinder der Hausaufgabenbetreuung ganz nach dem DRK-Motto: „Viele reden vom helfen – wir tun es!“

Bild 1: Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch gratuliert Teamleiterin Erika Huslik und überreicht ein Geschenk

Kommentar hinterlassen