Deutsch-iranische Autorin Nasrin Siege teilt biografische Erlebnisse mit geflüchteten Frauen und Kindern aus der Wetterau

FRIEDBERG – Mit einer Lesung zum Thema Biografie und Einwanderung hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) vom Kreisverband Friedberg e.V. im Rahmen von Projekt „Aktion Mensch“ zusammen mit dem Frauenzentrum Wetterau e.V. geflüchteten Frauen und Kindern aus mehreren Kommunen der Wetterau zu einem interkulturellen Begegnungstreffen eingeladen. Insgesamt 30 Frauen, Mütter und Schulkinder mit Fluchthintergrund und deutsche Alleinerziehende folgten der Einladung des Frauenzentrums Wetterau und trafen sich zu dem literarischen Abend in den Räumen vom DRK Kreisverband Friedberg. Die teilnehmenden Frauen und Kinder kamen aus Afghanistan, Äthiopien, Deutschland, Eritrea, Iran, Syrien und Somalia. Literarischer Abend im Kreisverband Friedberg zum Thema Fremdsein und Inklusion Die Veranstaltungssprache war Deutsch. Entsprechend setzten die Veranstalter ausreichende Deutschkenntnisse bei den Teilnehmerinnen und ihren Kindern voraus. „Kein Hindernis, wie das rege Interesse zeigt“, berichtete Mahnaz Jafary, die den literarischen Abend als Mitorganisatorin vom Frauenzentrum Wetterau betreute. Inzwischen werde in vielen Flüchtlingsfamilien neben der Herkunftssprache auch Deutsch gesprochen. Die mehrfach ausgezeichnete, deutsch-iranische Schriftstellerin Nasrin Siege las während der Veranstaltung u.a. aus ihrem biografischen Kinderbuch „Shirin – Wo gehöre ich hin?“ und teilte ihre eigene Migrations- und Integrationserfahrung mit den Teilnehmern. Siege, die 1959 als 8-Jährige mit ihrer Familie aus dem Iran nach Deutschland kam, erzählt in ihrem Buch über die Erfahrungen nach der Ankunft und von ihrem Einleben in der neuen Heimat. Nach vielen Jahren Aufenthalt in Tansania, Sambia, Tansania, Madagaskar und Äthiopien wohnt die Autorin inzwischen wieder in Deutschland und engagiert sich weiterhin mit dem von ihr gegründeten Verein Hilfe für Afrika e.V. in Hilfsprojekten in Afrika (www.hilfefuerafrika.de). Nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Mütter fanden sich in der Geschichte von Shirin wieder. Mit Rückfragen wie „Wer kennt das auch?“ holte die Autorin ihre Zuhörerinnen nach den einzelnen Lese-Sequenzen ab und es zeigte sich, dass diese Kinder sich mit Shirin identifizieren und eigene Erfahrungen gut reflektieren konnten. Das Thema „Mobbing“, für viele deutsche wie auch ausländische Kinder Realität, wurde eingehend diskutiert. „Das Wichtigste in diesen Situationen ist über die Erlebnisse zu reden, sich Verbündete zu suchen und miteinander im Gespräch zu bleiben“, so der Ratschlag der Autorin. „Meine Leser sollen sich das Fremde vertraut machen.“ (Nasrin Siege) „Insgesamt ein äußerst gelungener Abend“, resümierte Jafary, die als Iranerin schon seit über 20 Jahren in Deutschland lebt und Persisch sprechende Frauen im Frauenzentrum Wetterau betreut: „In großer Stuhlrunde saßen wir in dem afrikanisch geschmückten Raum, die Kinder am Boden auf afrikanischen Teppichen – und konnten in dieser wunderbaren Atmosphäre Themen wie das Fremdsein, Sich-Fremd-Fühlen, Mobbing und Inklusion an Beispielen und Alltagssituationen geknüpft lebhaft mit den Teilnehmerinnen aufbereiten“. Neben ihren autobiografischen Erzählungen las Nasrin Siege außerdem ausgewählte Geschichten aus ihrem Kinderbuch „Der Honigvogel – Geschichten aus Afrika“ vor. Für Geselligkeit und Gesprächsanlass sorgte außerdem das gemeinsame iranische Essen und die Signierstunde der Autorin mit den von der „Aktion Mensch“ gestifteten Büchern. Im Fokus: Alleinerziehende Mütter und ihre Kinder, Biografie-Workshop geplant Hilary Roger, Leiterin des Projekts „Aktion Mensch“ beim DRK Kreisverband Friedberg e.V., fasste im Anschluss zusammen: „Unsere Intention war, dass Menschen, die mit ihren Erfahrungen neu bei uns ankommen sich leicht hier einfinden und aufgenommen fühlen, ohne ihre Heimat und Identität zu vergessen“. Das gelte ganz besonders für die Frauen und Alleinerziehenden unter den Geflüchteten, so Roger, die das Interkulturelle durch die eigene Kindheit von Südafrika über Frankreich nach Deutschland ebenfalls mitbringt. Deshalb plane man für die Zielgruppe, insbesondere geflüchtete Mütter, bereits jetzt als Folge-Veranstaltung einen Biografie-Workshop zur Verarbeitung von Erfahrungen, Erlebnissen und Alltagsschwierigkeiten. Projekt „Aktion Mensch“ Das Projekt „Aktion Mensch“ im Wetteraukreis hat es sich zum Ziel gesetzt den hier untergebrachten Geflüchteten Orientierung und Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Die Fördermittel dazu werden seit September 2015 bereitgestellt und laufen noch bis September 2018. Weitere Informationen finden Interessierte unter https://www.drk-friedberg.de/angebote/existenzsichernde-hilfe/migration-und-integration/koordinierungsstelle-ehrenamt-fluechtlingshilfe.html Das Frauenzentrum Wetterau e.V. Das Frauenzentrum Wetterau versorgt seit mehr als 30 Jahren Frauen aus den 25 Gemeinden und Städten im Wetteraukreis mit Informationen und Unterstützung in Krisensituationen, bietet Bildungsseminare und kulturelle Veranstaltungen an und ist ein Treffpunkt für Frauen aus aller Welt. Bildbeschreibung: DRK_FB_Lesung_Nasrin Siege_01.jpg Gruppenbild aller Teilnehmer. In zweiter Reihe hinter den Kindern: Nasrin Siege und Mahnaz Jafary

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